[Rezension] Das Schicksal der Paladine – Verschollen von Jörg Benne (★★★)

Cover „Das Schicksal der Paladine – Verschollen“ von Jörg Benne

Nachdem ich das kostenlose Prequel zur Serie gelesen hatte, stand für mich fest, dass ich dieses Buch lesen musste. Der Autor faszinierte mich mit der Welt, die er schuf, und seinem spannungsgeladenen Schreibstil. Was ich nun vom Auftakt seiner Reihe halte, erfahrt ihr im Folgenden:

Erster Eindruck – Cover, Titel und Klappentext

Ich muss gestehen, das Cover gefällt mir überhaupt nicht. Hätte es sich nicht durch Zufall ergeben, dass ich das Prequel zu lesen bekommen habe, hätte ich mir das Buch deshalb nicht gekauft.

Den Klappentext hingegen finde ich gelungen und durchaus interessant. Wer sich vom Cover nicht abschrecken lässt und ihn durchliest, bekommt einen guten und vielversprechenden Überblick darüber, um was es in dem Buch geht.

Das Buch liegt gut in der Hand und ist angenehm zu lesen.

Hier vergebe ich zwei Sterne. ★★

Inhalt

Die Grundidee – Menschen aus unserer Welt entdecken eine fremde Welt und haben dort magische Kräfte – finde ich super. Auch die Zauberei, die mittels besonderer Male an den Armen funktioniert, ist ausgeklügelt und sehr interessant zu lesen. Dass die Zeit in der fremden Welt namens Nuareth beträchtlich schneller verläuft als in unserer, ist ein weiterer reizvoller Aspekt.

Der Jugendliche Tristan aus unserer Welt erlebt das für ihn fremdartige Nuareth authentisch. Er stürzt sich nicht todesmutig in seine erste Schlacht, sondern verliert bei all dem nur aus dem Fernseher bekannten Blutvergießen zuerst ganz schön die Nerven.

Ein wenig vermissen musste ich stellenweise die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Tristan und den anderen Figuren. Auf tragische oder einschneidende Erlebnisse diesbezüglich reagiert er manchmal zu gleichgültig. Auch war mir die Geschichte ab und an zu hoffnungslos, vor allem zum Ende hin – aber das ist Geschmackssache. Außerdem hat mich gestört, dass sich Tristan in meinen Augen künstlich an der Sache mit seiner im Koma liegenden Schwester aufgehängt hat – klar ist das schrecklich, aber ich bezweifle, dass die Ärzte einfach nach einer Woche die Maschinen ausschalten dürfen oder seine Mutter, die ja hoffnungsvoll auf Hilfe harrt, es erlaubt hätte.

Abgesehen von diesen Kleinigkeiten ist die Geschichte jedoch absolut lesenswert.

Hier vergebe ich vier Sterne. ★★★★

Schreibstil

Ich kann es gar nicht oft genug betonen: Jörg Bennes Schreibstil ist unglaublich fesselnd. Er vermag es fantastisch, für Spannung zu sorgen. Das meiste konnte ich mir wunderbar vorstellen.

Negativ empfand ich die oft zu langen Sätze, vor allem mit den vielen „unds“, teilweise mehrere in einem Satz. Das finde ich gar nicht schön zu lesen.

Höflichkeitsanreden werden durch die Bank nicht groß geschrieben – falsch und ab und an irritierend, weil man einfach zuerst an Personalpronomen denkt.

Dafür, dass die Geschichte aus Sicht eines Jugendlichen geschrieben ist, fand ich die Sprache stellenweise zu hochtrabend. Glücklicherweise zeigte sich das nur selten in den Dialogen.

Für letztere wurden extrem oft Redefloskeln verwendet („war seine nächste Frage“, „beschwichtigte sie“, „grüßte er“, „wollte er wissen“, „folgerte sie“), was ich persönlich auch als störend empfinde. Ein einfaches „sagte er“ oder „fragte sie“ wird vom Leser einfach überlesen, aber die ewig wechselnden Redefloskeln wirken auf mich störend und es hat fast bis zur Hälfte des Buches gedauert, bis ich mich damit halbwegs arrangieren konnte. Das hat mein Lesevergnügen doch ein wenig getrübt.

Hier vergebe ich zwei Sterne. ★★

Fazit

Inhaltlich ist dieses Buch innovativ, bis auf wenige Punkte sehr authentisch und wirklich lesenswert. Die Spannung hält einen ordentlich auf Trapp, man will das Buch stellenweise gar nicht aus der Hand legen. Wenn man über die genannten, in meinen Augen negativen Punkte hinweglesen kann – und das ist eigentlich problemlos möglich – ist „Verschollen“ ein empfehlenswertes Buch und der gelungene Auftakt der Paladine-Reihe.

Insgesamt vergebe ich eine Wertung von drei Sternen. ★★★

Ich bitte darum, meine persönliche Sternwertung zu beachten – drei Sterne sind bei mir noch sehr gut, aber andere Bücher haben mich einfach schon mehr überzeugt.

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Das kommt im Oktober 2013

Der September war schon kalt und regnerisch (natürlich scheint heute die Sonne, weil ich diesen Beitrag veröffentlichen will), doch im Oktober wird es richtig düster. Zeit, sich am Feierabend in eine Decke neben dem Kachelofen zu kuscheln und bei einer Tasse heißer Schokolade in ein Buch zu vertiefen. Mit welchen Neuerscheinungen uns die kleinen Verlage diesen herbstlichen Monat versüßen wollen, gibt es hier zu sehen:

Im Koios-Verlag erscheint der zumindest von mir heiß erwartete zweite Teil der Paladin-Reihe von Jörg Benne: „Das Schicksal der Paladine – Gejagt“. Ich bin schon sehr gespannt, wie es mit Tristan in der sagenhaften Welt Nuareth weitergehen wird. Wer sich für die Reihe interessiert, findet hier auf Ye Old Independent bald eine Rezension zum ersten Band.

Ebenfalls von Koios steht noch „Feuersbrut“ von Nadine Kühnemann auf dem Programm. Vom Titel her verspricht es ebenfalls eine heiße Unterhaltung zu werden. Hier gibt es für Interessierte eine Leseprobe.

Märchenhaft wird es mit „Die Blutroten Schuhe“ von Alana Falk im Machandel-Verlag. Ein wunderschönes Cover. Und weil es sich auch noch um eine Märchenadaption von Andersens „Die roten Schuhe“ handelt, steht es natürlich schon auf meiner Leseliste.

Cover zu „Die blutroten Schuhe“ von Alana Falk

Im Papierverzierer-Verlag erscheint mit „Phoenix – Tochter der Asche“ von Ann-Kathrin Karschnick ebenfalls ein heißer Titel. Der Klappentext verspricht eine sehr interessante Handlung.

Im Weltenschmiede-Verlag startet mit „Zorali  – Der Drachenkönig“ eine vielversprechende neue E-Book-Serie. Hier gibt es eine Video-Lesung der Autorin Toni Kuklik dazu.

Und als schaurig-schöner Abschluss des Oktobers erscheint das offizielle Buch zum Spiel „Vampires Dawn – Reign of Blood“ ebenfalls in der Weltenschmiede. Geschrieben wurde es von meiner Wenigkeit, die Story stammt von Alexander Koch.

Auf Ye Old Independents SUB wandern …
… „Das Schicksal der Paladine – Gejagt“ – Immerhin will ich wissen, wie es weitergeht!
… „Die blutroten Schuhe“ – weil ich Märchen liebe
… „Zorali – Der Drachenkönig“ – Ein bisschen High Fantasy zwischendurch schadet bestimmt nicht.

Auch „Feuersbrut“ und „Phoenix – Tochter der Asche“ interessieren mich … Ich hoffe, ich finde auch noch Zeit, sie zu lesen.

[Rezension] Canis Lupus Niger: Sommerturnier – Heike Korfhage (★★★★★)

CoverHeikeKorfhageSommerturnier

Band 1 des „Canis Lupus Niger“-Zyklus’, „Der Fremde“ habe ich bereits hier rezensiert, kommen wir nun zu Band zwei. Ich habe dieses Buch sofort bei Erscheinen gekauft und sehr, sehr lange dafür gebraucht, es zu lesen – das lag aber nicht etwa daran, weil ich es so schlecht fand, sondern an dem Wissen, dass ich mich lange auf den nächsten Band würde gedulden müssen, wenn ich erst einmal die letzte Seite erreicht hatte. Und dieses Wissen stimmte mich bei diesem Buch so traurig wie bei kaum einem anderen.

Erster Eindruck – Cover, Titel und Klappentext

Das Cover passt zum ersten Teil, ist darüber hinaus aber noch ein ganzes Stück schöner, wie ich finde. Man merkt, dass das Buch dieses Mal bei einem richtigen Verlag erschienen ist, denn es fühlt sich schon viel hochwertiger an. Einen Klappentext gibt es nicht, stattdessen wird darauf hingewiesen, dass der vorherige Teil den vierten Platz beim deutschen Phantastikpreis belegt hat.

Hier vergebe ich vier Sterne. ★★★★

Inhalt

Anders als beim ersten Band war ich dieses Mal von Anfang an von der Geschichte gefesselt, auch wenn es ein wenig dauert, bis etwas Action aufkommt. Aber Action ist es auch eher weniger, was dieses Buch ausmacht, sondern die vielschichtigen, tiefgründigen Charaktere, ihre Interaktionen miteinander, die Intrigen usw. So ziemlich alle Figuren entwickeln sich im Laufe der Geschichten fort, lernen aus ihren Fehlern, werden von den Geschehnissen geprägt – angefangen vom Protagonisten Wanja, bis hin zu den Nebenfiguren. Es ist wirklich gigantisch, wie realistisch die Figuren miteinander umspringen, wie sie sich verhalten, … In einer derartigen Intensität habe ich es noch nie bei einem anderen Buch erlebt.

Gerade zum Schluss hin wird das Buch zusätzlich sehr, sehr spannend und mehr als einmal habe ich um Wanjas Leben gebangt, obwohl mir bewusst war, dass noch weitere Bände (hoffentlich auch mit ihm! *lach*) folgen würden.

Dennoch gibt es einen kleinen Wermutstropfen: Die Rolle der Frau stimmt mich nicht ganz glücklich. Frauen generell und Valeria, die Gattin des Protagonisten Wanja, insbesondere, müssen ständig beschützt werden, verhalten sich im Angesicht von Gefahr ziemlich dämlich und machen damit alles nur noch schlimmer. Das war etwas, was mich stellenweise genervt hat. „Sommerturnier“ ist auf jeden Fall ein männerlastiges Buch. Männer sind die Helden beziehungsweise Schurken, Frauen müssen gerettet und beschützt werden. Abgesehen von diesem Aspekt ist Wanjas Beziehung zu seiner geliebten Valeria jedoch sehr schön geschrieben. Man spürt deutlich, dass die beiden sich sehr lieben und Valeria hat durchaus ihren eigenen Kopf, wenn es um die nicht-kämpferischen Belange geht.

Besonders angetan war ich wie schon im letzten Band vom König des mittelländischen Reiches. Dieses Mal ist seine Rolle jedoch weitaus gewichtiger, was mich sehr gefreut hat. Es ist wirklich erfrischend, mal über einen talentierten jungen König zu lesen, der – im Gegensatz zu vielen seiner Untertanten – sehr aufgeschlossen ist. Er zeigt die nötige Strenge, wo angemessen, lacht aber auch viel. Eine äußerst sympathische Figur, an die ich mich bestimmt noch lange erinnern werde.

Hier vergebe ich fünf Sterne. ★★★★★

Schreibstil

Der unglaublich authentische mittelalterliche Flair, den ich schon bei meiner Rezension zum ersten Band erwähnte, ist beim „Sommerturnier“ noch viel ausgeprägter vorhanden und macht es zu einer wahren Freude, dieses Buch zu lesen. Die Dialoge wirken realistisch, jede Szene hat einen Grund und eine Auswirkung auf das Geschehen. Es ist kein Wort zu viel, keines zu wenig, und im Gegensatz zum Vorgänger finden sich auch so gut wie keine Fehler darin – zwei habe ich gefunden und das auch nur, weil mein Auge darauf aus ist, welche zu entdecken. 😉

Hier vergebe ich fünf Sterne. ★★★★★

Fazit

„Sommerturnier“ hat es mir wirklich angetan. Müsste ich eine Liste meiner Lieblingsbücher erstellen, würde es zwischen den Werken der hochgelobten internationalen Fantasy-Autoren ganz weit oben stehen – vermutlich auf derselben Stufe mit „Der Name des Windes“ und „Das Lied von Eis und Feuer“. „Sommerturnier“ verdient definitiv mehr Aufmerksamkeit und es blutet mir das Herz, dass das Buch alleine deshalb relativ unbekannt ist, weil es kein Autor aus Übersee geschrieben hat. Liebe Leute, auch deutsche Autoren schreiben wundervolle Bücher, wie Heike Korfhage eindrucksvoll bewiesen hat!

Insgesamt vergebe ich eine Wertung von absolut verdienten fünf Sternen. ★★★★★