[Rezension] Assjah – Die lebenden Träume von Juliane Seidel

Cover „Assjah – Die lebenden Träume“ von Juliane Seidel

Im Zuge der Blogtour von Assjah, bei der Ye Old Independent mit einem Interview der Illustratorin Tanja Meurer dabei ist, gibt es hier schon einmal die Rezension zum dazugehörigen Buch.

Erster Eindruck – Cover, Titel und Klappentext

Das Cover gefällt mir sehr gut, noch dazu zeigt es seine Szene aus der Geschichte. Alles passt perfekt zu den Beschreibungen im Buch, klasse Arbeit. Der Klappentext beschreibt spannend und anschaulich, worum es in dem Buch geht, obwohl ich eher dazu rate, ihn vor dem Lesen nicht zu lesen – ich habe es nicht getan und war im Nachhinein froh darum, weil ich so mehr im Buch miträtseln konnte, was es nun mit diesem oder jenem auf sich hat.

Im Buch selbst befinden sich wunderschöne Illustrationen zu den Figuren, sodass man gleich schon von Anfang an ein gutes Bild von ihnen hat. Bei den Kapitelanfängen ist ebenfalls jedes Initial mit einer Illustration verziert, die Bezug zum Buch, ja sogar zum jeweiligen Kapitel aufweist. Wirklich toll gemacht, es ist eine Freude, dieses Buch in den Händen zu halten und zu lesen.

Hier vergebe ich fünf Sterne. ★★★★★

Inhalt

Bei einer Mutprobe findet der zehnjährige Kim einen seltsamen Gegenstand, der sich als „Traumspiegel“ herausstellt. Damit ist er in der Lage, die Wesen, die er sich selbst in seinen Träumen und Traumwelten erschafft, in die reale Welt zu holen. Anfangs ist das noch harmlos, denn die Fee Silberfünkchen und ihre Freundin Goldlöckchen, die er als erstes ruft, lassen sich noch gut verstecken, doch als er einen kleinen Drachen holen will, denkt er versehentlich an den mächtigen Drachen Fineas, und ein gigantisches Ungetüm wie dieses zu verstecken, braucht schon ein wenig mehr Einfallsreichtum. Zum Glück gibt es noch den unsicheren und selbstzweiflerischen Magier Annatar, dem zumindest ab und an ein Zauber gelingt – wenn auch nicht unbedingt der nötige Gegenspruch dazu.

Bald schon muss Kim jedoch feststellen, dass diese Spielerei nicht ohne Folgen bleibt. Auf der einen Seite wollen seine Wesen natürlich wieder in ihre Traumwelten zurück, in denen sie beheimatet sind – und auch Kim möchte nicht in die Verlegenheit geraten, erklären zu müssen, was zwei Feen, ein verwandelter Drache und ein seltsamer, mittelalterlicher Kauz bei ihm verloren haben –, auf der anderen wären da noch die rätselhaften Schatten, die Kims Wesen geradezu verschlingen. Um deren Ursprung auf den Grund zu kommen, muss er tief in seine Träume reisen, doch dort ist es nicht ganz ungefährlich.

Die Idee hinter „Assjah“ gefällt mir. Ein sehr fantasievoller Junge, der plötzlich die Macht erhält, seine Traumwesen real werden zu lassen – aber nicht einfach damit „davonkommt“, sondern die Konsequenzen seines unbedachten Handelns durchaus zu spüren bekommt. Die Figuren haben unterschiedliche Charaktereigenschaften und durchaus ihre Differenzen untereinander. Vor allem dem heißblütigen Drachen Fineas gefällt es gar nicht, dass er in unserer Welt als Rattendrache ausharren muss. Am besten gefällt mir der unsichere Magier Annatar, der seine Selbstzweifel überwinden muss, um seine Magie richtig wirken zu können.

Hier vergebe ich fünf Sterne. ★★★★★

Schreibstil

Juliane Seidels Stil lässt sich sehr flüssig und angenehm lesen. Man ist immer nah bei Kim und wird mit ihm in seine Traumwelten entführt, die ebenfalls sehr anschaulich und fantasievoll beschrieben sind. Es gibt mal wieder nichts zu meckern, deshalb muss ich mich leider kurz fassen. 😉

Hier vergebe ich fünf Sterne. ★★★★★

Fazit

Trotz des sehr jungen Protagonisten ist „Assjah – Die lebenden Träume“ durchaus ein Buch, das ich auch erwachsenen Lesern ans Herz legen möchte. Es lädt ein zum Träumen und Mitfiebern und ist wundervoll geschrieben. Es war mir eine Freude, dieses Buch zu lesen, und ich vergebe deshalb auch gerne meine erste volle Sterne-Wertung. Und jeder, der darüber skeptisch ist, möge sich selbst davon überzeugen – es ist die Lesezeit auf jeden Fall wert.

Insgesamt vergebe ich also eine Wertung von fünf Sternen. ★★★★★

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[Rezension] Zorali 1 – Der Drachenkönig von Toni Kuklik (★★★)

Cover „Zorali 1 – Der Drachenkönig“

 

Besser spät als nie gibt es endlich die Rezension zum Auftakt von Toni Kukliks E-Book-Serie rund um die Prinzessin Zorali. Die erste Episode trägt den Titel „Der Drachenkönig“.

Erster Eindruck – Cover, Titel und Klappentext

Ich liebe das Cover. Ein absoluter Blickfänger, wie ich finde, und noch dazu wunderschön. Es machte mich sofort neugierig auf mehr und ich war gespannt darauf, worum es in dem dahinter versteckten Buch geht.

Der Klappentext beschreibt gut, worum es in dieser Episode geht, und ist weder gut noch schlecht:

„Zorali, die einzige Tochter des Königs von Amanien, lebt in einem goldenen Käfig. Während sie im Palast eigentlich alles hat, ist er doch ihr ungeliebtes Gefängnis. Als ihr Bruder mit schlechten Nachrichten von einem Erkundungsritt zurückkehrt, sieht sie ihr Schicksal gekommen: Der letzte lebende Drache ist in Gefahr und der König weigert sich, etwas zu unternehmen. Zorali nimmt sich der Aufgabe an – ihr Abenteuer beginnt!“

Aufgrund des richtig tollen Covers vergebe ich meine ersten fünf Sterne in dieser Kategorie. ★★★★★

 

Inhalt

Das Buch beginnt sehr High-Fantasy-typisch mit einer Prinzessin namens Zorali, die von ihrem Vater in einem goldenen Käfig gehalten wird, aber viel lieber draußen wie ihre Brüder Abenteuer erleben würde. Nicht fehlen darf natürlich die im Kindsbett gestorbene Mutter und die liebevolle, aber lästige Amme.

Zoralis Vater ist der Drachenkönig, der über ein Reich regiert, in dem einstmals mächtige Drachen Seite an Seite mit den Menschen leben. Doch ein machthungriger König fand heraus, dass das Trinken von Drachenblut die magische Kraft steigert, ließ sie jagen und fast ausrotten. In der Gegenwart des Buches gibt es nur noch einen einzigen und ausgerechnet dieser ist in Gefahr. Der König sieht in dieser Bedrohung jedoch nur ein Ablenkungsmanöver seines Feindes und unternimmt nichts. Das kann Zorali nicht auf sich sitzen lassen und beschließt, selbst etwas zu unternehmen.

Unterstützt von ihrem Bruder Zarath, dem jüngeren und somit unbeachteteren Prinzen, macht sie sich auf ihre Reise. Hier stöße ich auch schon auf meinen größten Kritikpunkt: Er lässt seine geliebte kleine Schwester, die noch nie wirklich einen Fuß vors Palasttor gesetzt hat, einfach so in die gefährliche Welt hinaus. Kriege drohen und sie will ja nichts mehr als einen Drachen gegen eine Armee schützen (wie sie das anstellen will, bleibt fraglich), aber bis auf die Banditen, Wegelagerer und Unzufriedenen, von denen es in Amanien mehr als genug gibt, ist das für so eine Prinzessin doch bestimmt kein Problem … Nein, das hat mir nicht gefallen. Hinzu kommt, dass die Protagonistin wirklich herausragend viel Glück hat. Es läuft alles ein bisschen zu glatt und reibungslos, mal sehen, wie weit Zorali mit ihrer planlosen „Kopf durch die Wand“-Taktik kommt.

Es dauerte eine Weile, bis ich genügend Empathie für den Drachen aufbringen konnte, um Zoralis Wunsch nach seiner Rettung überhaupt nachvollziehen zu können. Nachdem man aber ein wenig über die Hintergrundgeschichte des Ganzen erfährt, wird es besser.

Hin und wieder erhascht man einen Blick auf den Antagonisten, der Jagd auf den Drachen macht, um ähnlich wie der machthungrige König damals seine Kräfte auszubauen. Sein Motiv für diese Tat ist zwar durchaus vorhanden, bleibt aber in meinen Augen ein wenig einfach und unbefriedigend.

Es gibt interessante Figuren in dem Buch – der rätselhafte Bibliothekar Talus z. B., oder Loas, Zoralis mehr als seltsamer und ein wenig unheimlicher neuer Begleiter. Nicht zu vergessen Zarath, den ich am meisten in mein Herz geschlossen habe, einfach weil er am besten charakterisiert wird und die meiste Tiefe hat. Alles in allem bleibt die Geschichte in diesem Serienauftakt bislang eher klischeehaft und noch geschieht nichts sonderlich Weltenbewegendes, aber es stellen sich mir immerhin genug Fragen, um mich neugierig auf die nächste Episode zu machen.

Hier vergebe ich zwei Sterne. ★★

 

Schreibstil

Es gibt weder viel zu bemängeln noch ist er bemerkenswert herausragend, also guter Durchschnitt. Ich konnte mir alles schön vorstellen, es gibt keine Perspektivenausbrüche und ich kann mit den Figuren mitfühlen.

Hier vergebe ich vier Sterne. ★★★★

 

Fazit

„Zorali 1 – Der Drachenkönig“ ist ein kurzweiliges Lesevergnügen – nichts, was ich anspruchsvollen Lesern empfehlen würde, aber wer High Fantasy mag und Lust auf einen angenehmen Zeitvertreib hat, ist mit dieser Serie gut beraten.

Insgesamt vergebe ich eine Wertung von drei Sternen. ★★★

[Rezension] Das Schicksal der Paladine – Verschollen von Jörg Benne (★★★)

Cover „Das Schicksal der Paladine – Verschollen“ von Jörg Benne

Nachdem ich das kostenlose Prequel zur Serie gelesen hatte, stand für mich fest, dass ich dieses Buch lesen musste. Der Autor faszinierte mich mit der Welt, die er schuf, und seinem spannungsgeladenen Schreibstil. Was ich nun vom Auftakt seiner Reihe halte, erfahrt ihr im Folgenden:

Erster Eindruck – Cover, Titel und Klappentext

Ich muss gestehen, das Cover gefällt mir überhaupt nicht. Hätte es sich nicht durch Zufall ergeben, dass ich das Prequel zu lesen bekommen habe, hätte ich mir das Buch deshalb nicht gekauft.

Den Klappentext hingegen finde ich gelungen und durchaus interessant. Wer sich vom Cover nicht abschrecken lässt und ihn durchliest, bekommt einen guten und vielversprechenden Überblick darüber, um was es in dem Buch geht.

Das Buch liegt gut in der Hand und ist angenehm zu lesen.

Hier vergebe ich zwei Sterne. ★★

Inhalt

Die Grundidee – Menschen aus unserer Welt entdecken eine fremde Welt und haben dort magische Kräfte – finde ich super. Auch die Zauberei, die mittels besonderer Male an den Armen funktioniert, ist ausgeklügelt und sehr interessant zu lesen. Dass die Zeit in der fremden Welt namens Nuareth beträchtlich schneller verläuft als in unserer, ist ein weiterer reizvoller Aspekt.

Der Jugendliche Tristan aus unserer Welt erlebt das für ihn fremdartige Nuareth authentisch. Er stürzt sich nicht todesmutig in seine erste Schlacht, sondern verliert bei all dem nur aus dem Fernseher bekannten Blutvergießen zuerst ganz schön die Nerven.

Ein wenig vermissen musste ich stellenweise die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Tristan und den anderen Figuren. Auf tragische oder einschneidende Erlebnisse diesbezüglich reagiert er manchmal zu gleichgültig. Auch war mir die Geschichte ab und an zu hoffnungslos, vor allem zum Ende hin – aber das ist Geschmackssache. Außerdem hat mich gestört, dass sich Tristan in meinen Augen künstlich an der Sache mit seiner im Koma liegenden Schwester aufgehängt hat – klar ist das schrecklich, aber ich bezweifle, dass die Ärzte einfach nach einer Woche die Maschinen ausschalten dürfen oder seine Mutter, die ja hoffnungsvoll auf Hilfe harrt, es erlaubt hätte.

Abgesehen von diesen Kleinigkeiten ist die Geschichte jedoch absolut lesenswert.

Hier vergebe ich vier Sterne. ★★★★

Schreibstil

Ich kann es gar nicht oft genug betonen: Jörg Bennes Schreibstil ist unglaublich fesselnd. Er vermag es fantastisch, für Spannung zu sorgen. Das meiste konnte ich mir wunderbar vorstellen.

Negativ empfand ich die oft zu langen Sätze, vor allem mit den vielen „unds“, teilweise mehrere in einem Satz. Das finde ich gar nicht schön zu lesen.

Höflichkeitsanreden werden durch die Bank nicht groß geschrieben – falsch und ab und an irritierend, weil man einfach zuerst an Personalpronomen denkt.

Dafür, dass die Geschichte aus Sicht eines Jugendlichen geschrieben ist, fand ich die Sprache stellenweise zu hochtrabend. Glücklicherweise zeigte sich das nur selten in den Dialogen.

Für letztere wurden extrem oft Redefloskeln verwendet („war seine nächste Frage“, „beschwichtigte sie“, „grüßte er“, „wollte er wissen“, „folgerte sie“), was ich persönlich auch als störend empfinde. Ein einfaches „sagte er“ oder „fragte sie“ wird vom Leser einfach überlesen, aber die ewig wechselnden Redefloskeln wirken auf mich störend und es hat fast bis zur Hälfte des Buches gedauert, bis ich mich damit halbwegs arrangieren konnte. Das hat mein Lesevergnügen doch ein wenig getrübt.

Hier vergebe ich zwei Sterne. ★★

Fazit

Inhaltlich ist dieses Buch innovativ, bis auf wenige Punkte sehr authentisch und wirklich lesenswert. Die Spannung hält einen ordentlich auf Trapp, man will das Buch stellenweise gar nicht aus der Hand legen. Wenn man über die genannten, in meinen Augen negativen Punkte hinweglesen kann – und das ist eigentlich problemlos möglich – ist „Verschollen“ ein empfehlenswertes Buch und der gelungene Auftakt der Paladine-Reihe.

Insgesamt vergebe ich eine Wertung von drei Sternen. ★★★

Ich bitte darum, meine persönliche Sternwertung zu beachten – drei Sterne sind bei mir noch sehr gut, aber andere Bücher haben mich einfach schon mehr überzeugt.

[Rezension] Canis Lupus Niger: Sommerturnier – Heike Korfhage (★★★★★)

CoverHeikeKorfhageSommerturnier

Band 1 des „Canis Lupus Niger“-Zyklus’, „Der Fremde“ habe ich bereits hier rezensiert, kommen wir nun zu Band zwei. Ich habe dieses Buch sofort bei Erscheinen gekauft und sehr, sehr lange dafür gebraucht, es zu lesen – das lag aber nicht etwa daran, weil ich es so schlecht fand, sondern an dem Wissen, dass ich mich lange auf den nächsten Band würde gedulden müssen, wenn ich erst einmal die letzte Seite erreicht hatte. Und dieses Wissen stimmte mich bei diesem Buch so traurig wie bei kaum einem anderen.

Erster Eindruck – Cover, Titel und Klappentext

Das Cover passt zum ersten Teil, ist darüber hinaus aber noch ein ganzes Stück schöner, wie ich finde. Man merkt, dass das Buch dieses Mal bei einem richtigen Verlag erschienen ist, denn es fühlt sich schon viel hochwertiger an. Einen Klappentext gibt es nicht, stattdessen wird darauf hingewiesen, dass der vorherige Teil den vierten Platz beim deutschen Phantastikpreis belegt hat.

Hier vergebe ich vier Sterne. ★★★★

Inhalt

Anders als beim ersten Band war ich dieses Mal von Anfang an von der Geschichte gefesselt, auch wenn es ein wenig dauert, bis etwas Action aufkommt. Aber Action ist es auch eher weniger, was dieses Buch ausmacht, sondern die vielschichtigen, tiefgründigen Charaktere, ihre Interaktionen miteinander, die Intrigen usw. So ziemlich alle Figuren entwickeln sich im Laufe der Geschichten fort, lernen aus ihren Fehlern, werden von den Geschehnissen geprägt – angefangen vom Protagonisten Wanja, bis hin zu den Nebenfiguren. Es ist wirklich gigantisch, wie realistisch die Figuren miteinander umspringen, wie sie sich verhalten, … In einer derartigen Intensität habe ich es noch nie bei einem anderen Buch erlebt.

Gerade zum Schluss hin wird das Buch zusätzlich sehr, sehr spannend und mehr als einmal habe ich um Wanjas Leben gebangt, obwohl mir bewusst war, dass noch weitere Bände (hoffentlich auch mit ihm! *lach*) folgen würden.

Dennoch gibt es einen kleinen Wermutstropfen: Die Rolle der Frau stimmt mich nicht ganz glücklich. Frauen generell und Valeria, die Gattin des Protagonisten Wanja, insbesondere, müssen ständig beschützt werden, verhalten sich im Angesicht von Gefahr ziemlich dämlich und machen damit alles nur noch schlimmer. Das war etwas, was mich stellenweise genervt hat. „Sommerturnier“ ist auf jeden Fall ein männerlastiges Buch. Männer sind die Helden beziehungsweise Schurken, Frauen müssen gerettet und beschützt werden. Abgesehen von diesem Aspekt ist Wanjas Beziehung zu seiner geliebten Valeria jedoch sehr schön geschrieben. Man spürt deutlich, dass die beiden sich sehr lieben und Valeria hat durchaus ihren eigenen Kopf, wenn es um die nicht-kämpferischen Belange geht.

Besonders angetan war ich wie schon im letzten Band vom König des mittelländischen Reiches. Dieses Mal ist seine Rolle jedoch weitaus gewichtiger, was mich sehr gefreut hat. Es ist wirklich erfrischend, mal über einen talentierten jungen König zu lesen, der – im Gegensatz zu vielen seiner Untertanten – sehr aufgeschlossen ist. Er zeigt die nötige Strenge, wo angemessen, lacht aber auch viel. Eine äußerst sympathische Figur, an die ich mich bestimmt noch lange erinnern werde.

Hier vergebe ich fünf Sterne. ★★★★★

Schreibstil

Der unglaublich authentische mittelalterliche Flair, den ich schon bei meiner Rezension zum ersten Band erwähnte, ist beim „Sommerturnier“ noch viel ausgeprägter vorhanden und macht es zu einer wahren Freude, dieses Buch zu lesen. Die Dialoge wirken realistisch, jede Szene hat einen Grund und eine Auswirkung auf das Geschehen. Es ist kein Wort zu viel, keines zu wenig, und im Gegensatz zum Vorgänger finden sich auch so gut wie keine Fehler darin – zwei habe ich gefunden und das auch nur, weil mein Auge darauf aus ist, welche zu entdecken. 😉

Hier vergebe ich fünf Sterne. ★★★★★

Fazit

„Sommerturnier“ hat es mir wirklich angetan. Müsste ich eine Liste meiner Lieblingsbücher erstellen, würde es zwischen den Werken der hochgelobten internationalen Fantasy-Autoren ganz weit oben stehen – vermutlich auf derselben Stufe mit „Der Name des Windes“ und „Das Lied von Eis und Feuer“. „Sommerturnier“ verdient definitiv mehr Aufmerksamkeit und es blutet mir das Herz, dass das Buch alleine deshalb relativ unbekannt ist, weil es kein Autor aus Übersee geschrieben hat. Liebe Leute, auch deutsche Autoren schreiben wundervolle Bücher, wie Heike Korfhage eindrucksvoll bewiesen hat!

Insgesamt vergebe ich eine Wertung von absolut verdienten fünf Sternen. ★★★★★

[Rezension] Canis Lupus Niger: Der Fremde – Heike Korfhage (★★★★)

Cover zu "Der Fremde" von Heike Korfhage

Cover zu „Der Fremde“ von Heike Korfhage

„Der Fremde – Canis Lupus Niger“ von Heike Korfhage ist 2009 im Noel-Verlag erschienen – einem Dienstleistungsverlag. Normalerweise mache ich um solche Bücher einen großen Bogen, aber da es den vierten Platz beim Deutschen Phantastikpreis 2010 belegt hatte, war ich neugierig darauf. Schlecht konnte es ja augenscheinlich nicht sein.

Erster Eindruck – Cover, Titel und Klappentext

Den Titel selbst halte ich für ziemlich gewöhnlich, aber der Reihenname Canis Lupus Niger gefällt mir. Das Cover mit dem schwarzen Wolf auf grün ist schlicht, braucht sich jedoch nicht zu verstecken. Die Verzierungen in den Ecken finde ich schön.

Der Klappentext ist ein anderes Thema. Wäre ich nicht generell schon neugierig auf das Buch gewesen, hätte ich es anhand dessen vermutlich eher nicht gekauft. Er beschreibt zwar, was am Anfang des Buches passiert, aber übermäßig spannend finde ich das nicht. Das Schlusswort „Wohin sie [die Reise] ihn am Ende führt, und ob er seinen ursprünglichen Weg jemals zu Ende gehen wird, erzählt dieser frische Roman, der in sich abgeschlossene Teil einer neuen Fantasy-Reihe, der sich von den zahllosen schwachen Kopien der großen Klassiker wohltuend abhebt“ hielt ich nach dem erstmaligen Lesen des restlichen Klappentext für ziemlich aufgebauscht, denn es klingt da noch eher wie ein 08/15-Roman. Erst, wenn man ihn selbst gelesen hat, weiß man, dass das Schlusswort durchaus zutreffend ist. Aber dazu gleich mehr.

Hier vergebe ich drei Sterne. ★★★

Inhalt

Der Beginn des Buches konnte mich erst einmal nicht fesseln. Ich bin ein Fan von spannenden Anfängen, die beim Leser Fragen aufwerfen und ihn zwingen, das Buch nicht mehr aus der Hand zu legen. Beim Fremden beginnt die Geschichte jedoch langsam. Der Protagonist Wanja Bajarin kommt beim königlichen Heerlager eines für ihn fremden Reiches an und wird dort in die Geschehnisse verwickelt. Vor allem der König gefällt mir, er ist nicht alt und weißbärtig, sondern jung und hat einen frischen Charakter.

Mit der Entführung der Dame Valeria, die Wanja von Anfang an hinreißend findet, kommt dann aber endlich Spannung in die Geschichte. Wanja stößt auf alte Feinde und allerlei weiterer Gefahren, die gut und spannend geschrieben wurden. Auch die Figuren haben es mir angetan, so ist die Beziehung zwischen Wanja und Valeria nicht, wie man vermuten könnte, die zwischen einem entführten Prinzesschen und dem Prinzen, der sie rettet, woraufhin sie ihm sogleich verfällt und sie ein liebendes Paar werden, sondern viel vielschichtiger – und weitaus komplizierter.

Was mich an diesem Buch aber über alles fasziniert hat, ist, wie realistisch es wirkt. Die ganzen höfischen Intrigen, der Umgang der einzelnen (übrigens sehr schön ausgearbeiteten) Völker und Kulturen miteinander, der oftmals von Argwohn geprägt ist – das alles ist wundervoll beschrieben. Den mittelalterlichen Flair, den ich beim Lesen dieses Buches erlebte, hat mir noch kein anderes beschert.

Hier vergebe ich fünf Sterne. ★★★★★

Schreibstil

Hier wurde mir sehr unsanft ins Gedächtnis gerufen, warum ich normalerweise keine Dienstleistungsbücher kaufe. Das Buch ist grauenhaft lektoriert. Es erstickt nicht gerade in Fehlern, aber vor allem was Zeichensetzung betrifft, stolpert man schon über das ein oder andere. Im Impressum steht der Name der Lektorin und ich frage mich, was sie überhaupt gemacht hat. Ich würde mich schämen, wenn meiner dort stehen würde.

Abgesehen davon ist der Schreibstil gut. Er passt sehr zu besagtem mittelalterlichen Flair, wie ich finde.

Hier fällt es mir sehr schwer, eine Bewertung abzugeben. Die Autorin kann nichts für ein schlechtes Lektorat, auf der anderen Seite sind die Fehler nun einmal da und es wäre fehlerfreien Büchern gegenüber unfair, wenn es dafür keine Abzüge gäbe. Ich entscheide mich für vier Sterne. ★★★★

Fazit

Über die kurze Durststrecke am Anfang hinaus zu kommen lohnt sich bei diesem Buch auf jeden Fall. Etwas Vergleichbares habe ich noch nicht gelesen, von daher erweist sich auch die Behauptung vom Klappentext als richtig. Nach der Lektüre dieses Buches ist Heike Korfhage zu einer meiner Lieblingsautoren geworden und nachdem ich ihre weiteren Bücher gelesen habe, bereue ich das keinesfalls. Sie kann sich definitiv mit den ganzen Bestseller-Fantasy-Autoren aus Übersee messen, auch wenn ich das eigentlich nicht vergleichen will, weil sie einfach ganz anders schreibt.

Zurück zum Fremden: Im Gesamtpaket hat er mir auf jeden Fall gut gefallen und ich kann verstehen, warum er beim Phantastik-Preis einen so hohen Platz belegt hat. Mit einem besseren Lektorat hätte sie es noch weiter aufs Treppchen hinaufgeschafft, dessen bin ich mir sicher.

Insgesamt vergebe ich eine Wertung von vier Sternen. ★★★★

[Rezension] Vor meiner Ewigkeit – Alessandra Ress (★★★★)

Cover zu "Vor meiner Ewigkeit" von Alessandra Reß.

Cover zu „Vor meiner Ewigkeit“ von Alessandra Reß.

„Vor meiner Ewigkeit“ ist das Debüt der Autorin Alessandra Reß und dieses Jahr im Art Skript Phantastik-Verlag, einem Kleinverlag für dunkle Phantastik, erschienen. Dementsprechend passt das Buch perfekt in mein Beuteschema und ich musste es sofort haben.

Erster Eindruck – Cover, Titel und Klappentext

Der Titel hat mich sofort angesprochen. Ein ewiges Leben halte ich immer wieder für ein interessantes Thema, gerade weil es so viel Freiraum lässt. Manch einer kommt scheinbar mühelos damit zurecht und weiß die Unendlichkeit für sich zu nutzen, andere verzweifeln daran – und die vielen Graustufen dazwischen nicht zu vergessen. Der Titel hat mich neugierig gemacht, wie in diesem Buch damit umgegangen wird, und hat es gleich auf meine Zu-lesen-Liste katapultiert.

Das Cover finde ich zwar schön und ansprechend, aber ich konnte zunächst nicht viel daraus gewinnen. Es geht um einen Menschen, okay, aber was haben die verwischten grellen Farben zu sagen, die auf der Rückseite immer grauer werden? Wenn man das Buch gelesen hat, stellt sich heraus, dass Titel und Cover jedoch perfekt auf die Geschichte passen. Vor allem beim Cover hat mich das überrascht, denn von außen erscheint es kaum möglich, dass so etwas Abstraktes so genau den Inhalt eines Buches widerspiegeln kann. Aber es ist tatsächlich so und ich bin restlos begeistert.

Beim Klappentext gefällt mir vor allem das Zitat aus dem Buch: „Ich warf mich der neuen Welt in die Arme und sie lachte mit mir, und in meinem Unwissen merkte ich nicht, wie falsch dieses Lachen klang.“ Dieser Satz hat definitiv auch einen Nerv in mir getroffen. Der Rest des Klappentextes ist durchschnittlich; nichts, weswegen ich ein Buch kaufen würde, aber zu dem Zeitpunkt, an dem ich ihn gelesen hatte, war mir schon klar, dass ich es haben musste.

Hier vergebe ich fünf Sterne. ★★★★

Inhalt

Die Geschichte beginnt und bleibt bei Simon, der nach langer Zeit aus einem Schlaf erwacht. Er empfindet es allerdings als wenig angenehm, denn schon bald steigen die Erinnerungen in ihm hoch und zum Glück für den Leser lässt er dieses Mal zu, sich ganz und gar in die Vergangenheit zurücktragen zu lassen und sein Leben noch einmal zu durchleben – zumindest ab dem Punkt, an dem er sein Gedächtnis verlor.

Eines Tages erwacht der (vermutlich) eigentlich ganz normale Mensch Simon und findet sich plötzlich mit einer völlig neuen Wahrnehmung wieder. Die Welt hat sich verändert, die Menschen sind zu bloßen Schemen geworden, die ihn selbst kaum mehr realisieren und erschrecken, wenn sie ihn doch einmal berühren. Damit nicht genug, stößt er plötzlich auf das pubertierende Geistermädchen Amy, das ihm ein wenig entschuldigend mitteilt, dass er jetzt ein Schläfer ist. Somit ist er Teil einer anderen Welt, der Welt der Geister, Lichtlinge und den Kreaturen der Finsternis, allen voran der Vampire. Das Gleichgewicht zwischen diesen Wesen ist durcheinander geraten, die Vampire zu machtvoll geworden. Als Schläfer ist es nun Simons Aufgabe, bestimmte Vampire zu vernichten, sozusagen um den Bestand zu reduzieren. Erst dann bekommt er seine Erinnerungen und sein altes Leben zurück.

Der Haken bei der Sache: Er ist lediglich der Wirtskörper für den Schläfer. Dieser ist zwar jetzt mehr oder weniger ein Teil von ihm, aber dennoch ein eigenständig handelnder Teil, der sich um nichts in der Welt von seiner Aufgabe abbringen lässt – denn jeder getötete Vampir ist wie eine Droge, die ihn in einen Zustand von Göttlichkeit versetzt, den er nicht missen will.

Doch während der Wirt normalerweise ganz und gar vom Schläfer eingenommen und zu einem Werkzeug werden soll, gelingt es Simon, einen Teil seiner selbst zu bewahren. Das macht ihn seine Aufgabe nicht wirklich leichter, denn plötzlich begegnet er Menschen, die ihn doch sehen können und ihn aus seinem normalen Leben zu kennen scheinen, und muss auch noch feststellen, dass nicht alle Vampire blutrünstige Monster zu sein scheinen und er sie teilweise eigentlich gar nicht töten will.

Gemeinsam mit Simon erkundet der Leser eine neue Welt, die sich direkt „auf“ der alten befindet, und die Neugierde auf all die Entdeckungen und Geschehnisse darin lassen die Buchseiten nur so dahinfliegen. Vergeblich sucht man jedoch eine übergeordnete Handlung, so beschreibt das Buch lediglich Simons Leben als Schläfer. Bei all den Dingen, die er durchlebt, und den interessanten Persönlichkeiten, denen er begegnet, ist das aber genug, um den Leser bei der Stange zu halten. Schwierig wird es nur dann, wenn man Simons Gefühle nicht verstehen kann, wie es bei mir z. B. bei dem Vampirmädchen Adonia der Fall war, das er geradezu glorifiziert. Für mich ist sie nicht mehr als ein Monster und so fiel es mir schwer zu akzeptieren, wie er von ihr dachte und sein Handeln zeitweise von ihr beeinflussen ließ.

Hier vergebe ich drei Sterne. ★★★

Schreibstil

Ich liebe ihn. Es ist fantastisch, wie Alessandra Reß es schafft, eine Welt so bildlich zu beschreiben, die sich mit nichts Realem vergleichen lässt. Immerzu konnte ich mir alles perfekt vorstellen, obwohl Dinge beschrieben wurden, die ich nie gesehen habe und nie sehen werde. Hinzu kommen Simons Gedanken, die mich mehr als einmal zum Schmunzeln gebracht haben. Es ist eine Freude, dieses Buch zu lesen, und es gab nichts, worüber ich rein schreibtechnisch gestolpert wäre.

Hier vergebe ich fünf Sterne. ★★★★★

Fazit

Ich halte die Entscheidung der Autorin, die Geschichte genau so zu schreiben, für gewagt – aber es ist ihr im Großen und Ganzen gelungen, und dafür hat sie auf jeden Fall meinen Respekt. In jeder Hinsicht ist dieses Buch etwas ganz anderes als das, was man im Mainstream zu lesen bekommt, und es hat mich wieder einmal darin bestärkt, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe, als ich mich von den großen Verlagen abwandte und den kleinen meine Aufmerksamkeit widmete. Wer besondere Geschichten mag, die man noch nirgendwo anders gelesen hat und die einen noch lange zwischen den Buchdeckeln gefangen halten, der ist mit „Vor meiner Ewigkeit“ richtig beraten.

Insgesamt vergebe ich eine Wertung von vier Sternen. ★★★★